Hier fürs Wir – Wir für Prien

Kommunalwahlprogramm Prien 2026

Inhalt
Vorwort
1. Bahn & Lärmschutz
2. Mobilität im Ort
3. Klima, Energie, Wärmewende & Hitzeschutz
4. Prienavera, Finanzen, kommunale Infrastruktur
5. Wohnen, Ortskern & Wirtschaft
6. Soziales, Integration, Jugend & Kultur
7. Demokratie, Bürgerbeteiligung & Transparenz
8. Natur, Mensch und Umwelt
Blick nach vorn – Prien 2030

 

Vorwort

Bei der Kommunalwahl 2020 konnten wir uns mit fünf Sitzen im PrienerMarktgemeinderat deutlich verstärken. Fünf Sitze sind zwar nur etwa ein Fünftel des gesamten Marktgemeinderates, aber es sind fünf Stimmen für mehr Klimaschutz, für besseren Radverkehr, soziale Verantwortung, Transparenz und ein lebenswertes Prien! Wir Grüne haben sie genutzt und die Politik aktiv mitgestaltet.

Wir erzielten konkrete Fortschritte: früh konnten wir die Weichen stellen in der kommunalen Wärmeplanung, haben die Ernennung der Radverkehrsbeauftragten unterstützt und das Carsharing-Angebot mit angeschoben. Viele Baumpflanzungen konnten wir anregen und durchführen, für die Friedhofsumgestaltung haben wir wesentliche Impulse gegeben und viel für den Schutz der Wiesenbrüter erreicht. Dieses Programm zeigt unseren Weg in eine Gemeinde, die mutig in die Zukunft geht und dabei ihre Wurzeln bewahrt.

Was die Menschen in Prien bewegt – und was wir bewegen wollen

1. Bahnhof, Umfeld und Lärmschutz

Die Bahn darf uns nicht länger im Regen und Hitze stehen lassen! Die Bahnsteigdächer – ein identitätsstiftendes Bauwerk (Baujahr 1909) – wurden abgerissen; dies ist für uns eine grobe Missachtung von Ortsbild und Denkmalschutz. Und es ist auch eine Missachtung von allen, die die Bahn für den Arbeitsweg oder in der Freizeit nutzen. Sie werden sprichwörtlich von der Bahn in Regen und Hitze stehen gelassen. Daher fordern wir alle Verantwortlichen auf, dies so schnell und gut wie möglich zu ändern!

„Herzlich Willkommen“ so grüßt der Bahnhof alle – Gäste und Einheimische leiderhat die Wirklichkeit nichts mit diesem Gruß zu tun. Der Anblick ist mehr als trostlos. Seit Jahren soll das Bahnhofsareal nach einem Architekt*innenwettbewerbansprechend umgestaltet werden. Passiert ist allerdings bis heute gar nichts. Das wollen wir nicht akzeptieren. Und wir wollen auch nicht länger warten. Daher setzen wir auf kleine, einfach realisierbare und kurzfristig wirksame Schritte. Dazu gehört die Aufenthaltsqualität durch Sauberkeit zu erhöhen, Sitzgelegenheiten zu schaffen, für mobile Begrünung zu sorgen und den Umbau zur Barrierefreiheit zu forcieren. Ganz wesentlich setzen wir uns auch für eine Parkhaus am Bahnhof ein, um den Parkdruck, und vor allem den Parksuchverkehr zu verringern

Lärmschutz ist wichtig, soll jedoch mit Augenmaß umgesetzt werden, um Schutz zu gewährleisten ohne neue Barrieren zu schaffen. Eine Bürger*inenwerkstatt und eine Befragung aller Priener*innen sollen die Entscheidung darüber unterstützen, welche Lösungen für Prien die richtigen sind – denn eine Maßnahme, die das Ortsbild deutlich verändert, betrifft die gesamte Gemeinde.

2. Mobilität im Ort

Menschen sollen sich sicher und klimafreundlich bewegen können. Tempo 30 im Ortskern schützt Kinder, macht den Ort sicherer, reduziert Unfälle und Lärm und steigert die Aufenthaltsqualität.

Die Radverkehrsbeauftragten werden auch in der nächsten Legislaturperiode von uns in der konsequenten Umsetzung ihrer Ideen unterstützt, damit sie ihre Arbeit zügig fortsetzen können. Wir fordern für Prien mindestens zwei ortsquerende Fahrradstraßen. Und wir unterstützen das Selbstverständnis der Radverkehrsbeauftragten als „Mobilitätsbeauftragte“ und setzen uns für die Mitgliedschaft im Verbund „Fahrradfreundliche Kommune. e V.“ ein, um von den Verkehrs- und Ortsentwicklungskonzepten anderer Gemeinden zu profitieren. Wichtig ist auch, die Spielräume der reformierten StVo konsequent zu nutzen, weitere Fußgänger*innenquerungen zu errichten und Tempo 30 im Ort auszuweiten.

Besonders wichtig ist uns die Sicherheit der jüngsten Verkehrsteilnehmer*innen. Wir setzen uns für durchgehende, sichere Fuß- und Radwege ein, die Schulen, den Bahnhof, Kindergärten, Spielplätze und Jugendtreffpunkte verlässlich miteinander verbinden. Dazu gehören klare Querungshilfen, übersichtliche Wegführungen und verkehrsberuhigte Zonen in den sensiblen Bereichen.

Mobilitätspunkte mit Ladesäulen und Verleihsystemen ergänzen den ÖPNV. Ortsbus, ROSI und Carsharing werden weiterhin finanziell unterstützt, gesichert und soweit möglich ausgebaut.

Von weniger Individualverkehr profitieren alle. Parken organisieren wir effizienter durch ein Parkleitsystem.

3. Klima, Energie, Wärmewende & Hitzeschutz

Allein für’s Heizen stößt Prien jedes Jahr 40.000 Tonnen CO2 aus. Nur 14 % des Stroms und 11 % der Wärme stammen aus erneuerbaren Quellen! Der Bundesdurchschnitt liegt beim Strom bei 64% und bei de Wärme bei 20%. Hier müssen wir besser werden, um das von Bayern und dem Bund gesetzlich vorgegebene Ziel der Klimaneutralität bis 2045 auch in Prien einhalten zu können.

Wir halten trotz teilweiser Ablehnung durch den jetzigen Gemeinderat an dem Ziel fest: Die Klimaschutzmanager*innen-Stelle muss endgültig besetzt werden, um die kommunale Wärmeplanung umzusetzen und private Haushalte zu unterstützen – aber auch, um übergreifend Klimaschutzmaßnahmen in allen gemeindlichen Resorts zu initiieren.

In den vergangenen Jahren hat Prien zwar mit den ersten Schritten für den Klimaschutz begonnen, die kommunale Wärmeplanung wurde dank unseresBetreibens frühzeitig gestartet. Doch jetzt gilt es, dranzubleiben und entschlossen voranzugehen. Dafür brauchen wir qualifiziertes Personal.

Um die Klimaziele zu halten, braucht Prien schnell auf allen geeigneten Dächern Photovoltaik, ein sich kontinuierlich entwickelndes lokales Wärmenetz und ein kommunales Energiewerk, das die Energiewirtschaft professionell betreibt und bei dem die Bürger*innen die Möglichkeit haben sich zu beteiligen.

Aber nicht nur Klimaschutz, sondern auch Klimaanpassung ist für uns wichtig: Prien braucht ein Hitzeschutzkonzept, schon jetzt sind die heißen Tage für anfällige Gruppen wie Senioren und Kinder, aber auch Kranke eine Belastung – und können zu einer konkreten Gefahr werden. Schnelle Reaktionsmaßnahmen, die Versorgung von gefährdeten Gruppen und präventive Maßnahmen sind gefragt!

Für Klimaanpassung setzen wir auf Begrünung, Entsiegelung, Schattenplätze und Retentionsflächen.

4. Prienavera, Finanzen, kommunale Infrastruktur

Wir haben die energetische Sanierung des Prienavera klar befürwortet und aktiv unterstützt. Denn zuvor hat das Prienavera Erlebnisbad rund 70 Prozent des Wärmebedarfs der kommunalen Liegenschaften in Prien verursacht.

Nach der energetischen Sanierung hat das Prienavera seinen Stromverbrauchdrastisch gesenkt – nun streben wir einen Betrieb ohne Fossile Energien an. So kann das Prienavera möglichst mit einer kleineren Technikhalle – zu einem echten Vorzeigeprojekt klimafreundlicher Technik werden: bei uns in der Region und weit darüber hinaus. Hier muss eine klare, nachhaltige Gesamtlösung her, die langfristig die Wirtschaftlichkeit sichert und nicht nur kurzfristig Gas als die günstigste Lösung sieht.

Wir stehen für einen neuen Umgang mit der Sanierung des Prienavera und fordern frühzeitig eine klare Kostenkommunikation, systematische und transparente Bürgerinformation, konsequente Energieeinsparung und eine weitgehend regenerative Versorgung des Schwimmbads mit Wärme und Strom. Für eine Nutzung, die sowohl Einheimischen als auch Gästen zugutekommt.

5. Wohnen, Ortskern & Wirtschaft

Die Innenentwicklung hat Vorrang vor neuen Baugebieten. Gleichzeitig soll nachhaltiges Bauen, z.B. mit Holz oder recyceltem Material hohe Baukosten senken – die jüngsten Entwicklungen zeigen es.

Die Kommune hat nur wenig Einflussmöglichkeiten bei privaten Vermietungen, umso wichtiger ist es, diesen vor allem im Vorfeld neuer Baugebiete zu nutzen!  Unser Ziel: Wohnraum sollte für alle wieder bezahlbar und Gewerbeleerstand möglichst vermieden werden. Wir wollen keine weiteren Zweitwohnsitze – wie in Berchtesgaden oder Ruhpolding schon erfolgreich praktiziert.

Tourismus werden wir qualitativ und zukunftsfähig gestalten, mit regionaler Gastronomie, nachhaltigen Unterkünften und klimafreundlicher Mobilität. Zusätzlich prüfen wir ein Punktesystem für Gäste, die umweltbewusst anreisen, um klimafreundliches Verhalten gezielt zu belohnen. Regionale Wirtschaftskreisläufe und Förderung von lokalen Produkten z.B. aus der heimischen Landwirtschaft und Absatz auf unseren Märkten stärken Resilienz und Arbeitsplätze.

Wachsende Leerstände, hohe Mieten und der Strukturwandel im Einzelhandel stellen Prien vor die Frage, wie der Ortskern als lebendiger Wohn- und Einkaufsort erhalten werden kann. Wo kann die Kommune helfen? Unser Ziel: Den Ortscharakter mit attraktiv und einladend gestalteten Plätzen stärken, dies schaffte gemeinsame Erlebnismomente, fördert das Verweilen und der Einzelhandel lädt dazwischen zum Bummeln ein.

6. Soziales, Integration, Jugend & Kultur

Unser soziales Zusammenleben in Prien wird von einer Vielzahl nicht-kommunaler Institutionen und Einrichtungen der Bürger*innenschaft getragen, die überwiegend auf ehrenamtlichem Engagement beruhen. Diese breite Aufstellung sichert das gemeinschaftliche Funktionieren unserer Kommune und ermöglicht es, Herausforderungen wie Integration und Teilhabe zu bewältigen. Es schafft kulturelle Angebote, unterstützt die Betreuung von Kindern und Jugendlichen, leistet wichtige Arbeit für Senior*innen und bietet Ansprache für Bedürftige und leistet wo nötig soziale Hilfe. Den vielen Ehrenamtlichen danken wir ausdrücklich für ihr großes Engagement.

Was kann die Gemeinde darüber hinaus noch tun? Die Kommune unterstützt bereits viele dieser Aktivitäten und kann dieses Engagement weiter ausbauen, sowohl ideell als auch, wo möglich, finanziell. Es ist Aufgabe der Referent*innen für Soziales, Vereine und Jugend, dieses ehrenamtliche Engagement aktiv zu begleiten, zu stärken und stets ein offenes Ohr für die Anliegen der Engagierten zu haben. Hier wirken wir mit hier sehen wir unserer Aufgabe im Gemeinderat weiter.

Wir sehen hier insbesondere im Bereich der Jugendarbeit noch Nachholbedarf. Angebote müssen niederschwelliger werden, und es braucht Räume der Begegnung, die sich an den unterschiedlichen Bedürfnissen junger Menschen orientieren. Jugendzentrum, Jugendrat, Schüler*innenvertretungen sowie Jugendliche aus den Kirchen sollten an einen Tisch gebracht werden – gegebenenfalls mit Unterstützung durch die Jugendarbeit des Landratsamtes –, um Nachfrage und Angebot besser zusammenzuführen. Auch im Umgang mit sozialen Medien sollten die Aktivitäten der Kommune gemeinsam mit lokalen Akteuren wie Polizei, Caritas und Schulen ausgebaut werden, um Kinder und Jugendliche wirksam zu schützen und Eltern zu unterstützen.

Im kulturellen Bereich wird auf Bundes- und Landesebene zunehmend gekürzt. Dabei ist Kultur ein wesentlicher Bestandteil unserer kommunalen Lebensqualität. In Prien leben und arbeiten bildende und darstellende Künstler*innen aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Deshalb wollen wir kulturellen Initiativen mehr Gehör verschaffen, sie unterstützen, Veranstaltungen fördern und die Nutzung von Veranstaltungsorten und Bühnen in unterschiedlichen Größen ermöglichen.

Wir wollen zudem darauf hinwirken, dass die zuständigen Referent*innen Integration und Teilhabe an der Gesellschaft weiter stärken, z.B. durch den konsequenten barrierefreien Ausbau. Gelungene Integration benachteiligter Gruppen ist eine wirkungsvolle Versicherung gegen Radikalisierung und Hass. Sie ist Friedensarbeit und stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserer Gemeinde.

Bei der Kinderbetreuung ist es unser Ziel, den hohen Standard zu erhalten und uns weiterhin dafür einzusetzen, dass ausreichend sichere und verlässliche Betreuungsplätze zur Verfügung stehen. Bildungsangebote über die Schule hinaus müssen erhalten bleiben und wo nötig ausgebaut werden.

7. Demokratie, Bürgerbeteiligung & Transparenz

Wir wollen die Arbeit des Gemeinderates transparenter machen, Beschlüsse verständlich kommunizieren und die Bürger*innen aktiv einbinden. Ein funktionierendes digitales Informationssystem, über das die Bevölkerung Beratungen, Beschlüsse und Abstimmungsergebnisse nachvollziehen kann und online verfolgbare Gemeinderatssitzungen sind dafür zentrale Instrumente. Außerdem bestehen wir darauf, dass Sitzungen des „Runden Tisch Verkehr“ öffentlich sind und häufiger Experten mit guten Beispielen aus anderen Kommunen zu Rate gezogen werden.

Wir wollen Bürger*innenbeteiligung stärken, den Austausch mit Bürger*innen auf Augenhöhe fördern und auf eine verlässliche Basis stellen, auch, um antidemokratischen Strömungen entgegenzutreten. Regelmäßige Bürger*innendialoge und Bürger*innenwerkstätten sollen Raum bieten, aktuelle Themen – etwa größere Bauprojekte, Verkehr oder das Prienavera – frühzeitig und offen zu diskutieren.

So werden unterschiedliche Perspektiven einbezogen, Entscheidungen transparenter und Lösungen gemeinsam entwickelt. Unser Ziel ist eine Kultur der Mitgestaltung, in der Bürger*innen kontinuierlich an wichtigen Fragen der Gemeinde beteiligt werden.

8. Natur, Mensch und Umwelt

Prien ist, wie alle Chiemsee-Gemeinden, zur Recht stolz auf den nach Jahren errungenen Weltkulturerbe-Status von Schloss Herrenchiemsee. Wir erinnern daran und setzen uns dafür ein, dass der See, das Juwel vor unserer Haustüre, als unser ganz besonderes Naturerbe, ebenso wertgeschätzt und geschützt wird – auch ohne diesen Titel.

Wir werden weitere kommunale Flächen naturnah gestalten und dem Biotopverbund widmen. Wir setzen uns weiterhin dafür ein, dass ufernahe Wege ihrer Bestimmung entsprechend genutzt werden und keine neuen, wilden Pfade entstehen. So schützen wir unsere heimische Flora und Fauna.

Wir freuen uns, dass Prien 2025 – auf Initiative der Grünen – erneut als „Bienenfreundliche Gemeinde“ ausgezeichnet wurde. Dieses Engagement für Artenvielfalt wollen wir fortsetzen und ausbauen.

Auch die Idee einer naturnahen Bestattung auf einer Friedwiese oder in einem Friedwald möchten wir weiterverfolgen. Ebenso wollen wir die Lichtverschmutzung reduzieren und die Grünplanung gezielt an den Klimawandel anpassen.

Prien ist einer der wenigen Orte in ganz Deutschland, der den Titel Luft- und Kneippkurort zusammen innehat. Dies müssen wir aktiv erhalten und seine Bedeutung für Gesundheit und Wohlbefinden stärken. Das ist wichtig für die Gesundheit der Menschen vor Ort, und auch wichtig als Tourismus- und Wirtschaftsfaktor, den wir so behutsam weiterentwickeln wollen.

Jeder neu gepflanzte Baum, jede entsiegelte Fläche und jede Blühwiese trägt dazu bei, Prien zu einem lebenswerten Ort zu machen.

Blick nach vorn – Prien 2030

Wir Grünen wollen ein Prien, das bis 2030 sichtbare Fortschritte auf dem Weg zur Klimaneutralität macht, ein Prien, in dem Mobilität leiser und sicherer geworden ist, in dem alle Generationen ihren Raum finden und die Natur spürbar aufatmet.

Ein Prien, das Zusammenhalt lebt, Vielfalt schätzt und Verantwortung übernimmt – für sich und für die kommenden Generationen.

Zukunft wird aus Mut gemacht.

Mut, Dinge anders zu denken.

Mut, Verantwortung zu übernehmen.

Mut, gemeinsam zu handeln.

Wir laden alle ein, diesen Weg mit uns zu gehen.

Für ein grünes, sicheres und lebenswertes Prien..

 

Zurück zum Anfang